Eich, 36 jährige Frau am Eicher See tot aufgefunden

Veröffentlicht von ebr am Donnerstag, 13.Juli 2006

Region Mainz ebr - Donnerstag, 13.07.2006, 02.40 Uhr - Ein 55-jähriger aus Eich rief in der Nacht zum heutigen Donnerstag einen Bekannten an und teilte diesem mit, dass er seine Ehefrau umgebracht habe. Der Zeuge verständigte daraufhin die Wormser Polizei.

An der Wochenendsiedlung am Eicher See fanden die Polizisten die 36-Jährige und konnten nur noch den Tod der Frau feststellen.
Der 55-Jährige wurde vorläufig festgenommen.


Wormser Zeitung

Frauenleiche in Haus am Eicher See

55-jähriger Ehemann gesteht die Tötung /Umstände und Motiv bislang noch ungeklärt

Vom 14.07.2006

EICH Ein 55-jähriger Mann aus Eich hat die Tötung seiner Ehefrau gestanden. In der Nacht auf Donnerstag rief er einen Bekannten an und berichtete von der Tat. In der Wochenendhaus-Siedlung am Eicher See fand die Polizei dann die Leiche der 36-Jährigen.

Von Susanne Müller

Das Paar war seit einigen Jahren verheiratet, wie Nachbarn erzählten, ist der Tatverdächtige ein wohlhabender Geschäftsmann. Seine 19 Jahre jüngere Frau stammte aus Ungarn. Die Eheleute bewohnten ein Wochenendhaus am Eicher See, auf der Hammer Seite, der Eicher See ist eines der größten Naherholungsgebiete in Rheinland-Pfalz. In dem Wochenendhausgebiet befinden sich ungefähr 660 Parzellen, die überwiegend mit Wochenendhäusern bebaut sind.

Der 55-Jährige ist Mitglied der Eicher-See-Gemeinschaft (ESG), Mitglieder und Nachbarn sind geschockt über die Tat. Der Mann sei bekannt gewesen als besonnen und liebenswürdig. Niemand habe ihm eine solche Tat zugetraut, hieß es.

Er habe übers Telefon von dem grausigen Geschehen erfahren, erklärte Vorsitzender Erich Bingenheimer, der sich gestern in Köln aufhielt und daher nichts zum Hergang oder auch weiteren Vorgehen der ESG sagen konnte.

Nähere Einzelheiten gab die Staatsanwaltschaft Mainz gestern noch nicht bekannt, weil der Tatverdächtige, der in Haft genommen wurde, noch nicht vernommen worden sei. Die Leiche der 36-Jährigen wurde obduziert. Auch zu diesen Ergebnissen, die die Todesursache klären könnten, blieben die Ermittler gestern noch verschwiegen. Leitender Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach hielt sich bedeckt: "Auf Grund der besonderen Situation der Tat kann ich nichts weiter sagen, denn ansonsten würde ich Wissen weitergeben, das nur der Täter hat." Der Strafverfolger bestätigte aber, dass die Frau tot im Wochenendhaus am Eicher See gefunden worden sei, nachdem der Ehemann seinem Bekannten die Tat gestanden hatte. Dieser hatte dann die Polizei informiert, die vor Ort das geschilderte Verbrechen bestätigt sah. Die Tat ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag, die tote Ungarin wurde nachts um 2.40 Uhr in dem Haus am Eicher See aufgefunden.


Wormser Zeitung

Anklage lautet auf Totschlag

Mann aus Eich nun vor Gericht

Vom 02.03.2007

EICH/MAINZ "Ich bin kein Eigentum. Ich will ausziehen." Diese Worte seiner 19 Jahre jüngeren Ehefrau waren für einen 55-jährigen Kaufmann aus Eich offensichtlich zu viel. In einem Anfall von Eifersucht soll der Mann die 36-Jährige 2006 erwürgt haben.
Von

Silvia Dott

Die gebürtige Ungarin hatte seit geraumer Zeit schon einen jüngeren Liebhaber. Wegen Totschlags muss sich der Kaufmann seit gestern vor dem Mainzer Schwurgericht verantworten.

Der Angeklagte gab sich un-beschwert, fast heiter, als er aus seiner Jugend und von seiner erfolgreichen Baustoff-Firma erzählte. Zur Tat wollte der groß gewachsene 55-Jährige nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen. Nach Darstellung seiner Anwälte kämen ungewöhnlich heikle und sensible Dinge aus dem Intimbereich des Angeklagten zur Sprache, bei deren Erörterung sich die Anwesenheit der Öffentlichkeit verbiete. Überraschend folgte die Kammer dem Antrag. Eine Entscheidung, die in Bezug auf erwachsene Angeklagte in den letzten zehn Jahren nur äußerst selten getroffen wurde und auf dem Gerichtsflur Raum für allerlei Spekulationen bot.

Nachmittags berichtete der beste Freund des Angeklagten von der Tatnacht: Der 55-Jährige habe gegen zwei Uhr angerufen und geschluchzt: "Maria ist tot. Du musst mir helfen. Ruf die Polizei!" Diese Worte habe der Mann stereotyp mindestens zehn Minuten wiederholt. "Ich versuchte ihn etwas zu fragen, aber er reagierte nicht!" Die Beamten fanden den 55-Jährigen und die Leiche in dem Einfamilienhaus in Eich. Wie der Zeuge wusste, gab es seit längerem Probleme in der 1999 geschlossenen Ehe. Die 36-Jährige hatte sich in einen Landsmann verliebt. Darüber sei der Kaufmann maßlos verärgert gewesen. "Es war ein ständiges Auf und Ab. Mal wollte sie bei ihm bleiben, dann wollte sie wieder weg", so der Zeuge. Die Ungarin habe ihren Mann beleidigt. Als dieser bei einem Schäferstündchen unkonzentriert war, soll sie ihm die Qualitäten ihres Liebhabers derb vorgehalten haben.

Auch die beste Freundin der 36-Jährigen wusste von Eheproblemen und dem Geliebten. "Sie mietete ihn sogar am Eicher See in einem Ferienhaus ein und ließ ein Auto auf ihn zu." Als ihr Mann dahinter kam, sei er mit einem langen Lkw-Keilriemen gekommen und habe das Paar umbringen wollen. Die Ehe habe sich in späteren Jahren als eine Art Vater-Tochter-Beziehung dargestellt. Der Angeklagte bestimmte und die 36-Jährige gehorchte. "Aber sie mochte ihren Mann, liebte ihn aber wohl nicht mehr. Sie wollte im guten mit ihm auseinandergehen." Doch der Kaufmann habe sie geradezu erpresst, mit Selbstmord und dem Konkurs der Firma gedroht, so die Zeugin. Als Buchhalterin war die 36-Jährige das Herzstück des Betriebs.

In der Tatnacht kurz vor ihrem Tod schrieb sie: "Ich halte den Druck nicht mehr aus. Der Auszug soll ohne Krieg und Vorwürfe vor sich gehen." Für den 5. August war der Umzugs-wagen bestellt.


Wormser Zeitung

Angeklagter bereut die Tat

Totschlagsprozess geht weiter

Vom 07.03.2007

EICH Über seinen Anwalt ließ der des Totschlags an seiner Ehefrau angeklagte 55-Jährige gestern wissen, dass er "die Tat auf Tiefste bereue". Er wolle versuchen, der Opferfamilie finanziell so weit entgegen zu kommen, dass sie "ihren Schmerz allmählich überwinden" könne.
Von

Silvia Dott

Die Verteidiger des 55-Jährigen zitierten gestern die entsprechenden Passagen aus einem an diesem Montag der Mutter des Opfers zugesandten Brief. Der Zivil-Anwalt kündigte darin ein Schmerzensgeld von 25000 Euro und die Übernahme der Beerdigungskosten von 4615 Euro an. Allerdings müsse die Mutter der Frau im Gegenzug die Schulden ihrer Tochter von rund 150000 Euro übernehmen.

Dem Kaufmann aus Eich wird vorgeworfen, seine 36-jährige Frau am 13. Juli 2006 im gemeinsamen Haus am Eicher See mit bloßen Händen erwürgt zu haben. Über die Verlesung dieses Schreibens in der gestrigen Verhandlung vor dem Mainzer Schwurgericht ist das Geständnis des 55-Jährigen - zwar bei der Polizei schon abgelegt - jetzt auch öffentlich geworden. Der Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag auf Antrag seiner Verteidiger unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen dürfen. Dabei habe der Kaufmann starr von einem gedruckten Manuskript abgelesen, kritisierten die Opferanwälte. "Immer, wenn er einmal selbst etwas sagen wollte, zupften ihn seine Verteidiger am Ärmel."

Auch am zweiten Verhand-lungstag war von der im August 2005 in Ungarn wiedergefundenen Jugendliebe der 36-Jährigen zu hören. Nach Darstellung von Zeugen war die Frau unentschlossen, ob sie ihren Mann verlassen sollte. Im Januar 2006 noch machte sie Urlaub mit dem Angeklagten in Dubai. Ergebnis soll eine zeitweilige Versöhnung des Paares gewesen sein.

Der 55-Jährige sei über die Liebesbeziehung zu dem Jüngeren maßlos verärgert gewesen. Sein Verhalten gegenüber der 36-Jährigen nach dem Offenbarwerden der Seitensprünge wird von Zeugen unterschiedlich beschrieben. Ihre Steuerberaterin wusste von ihr, dass der 55-Jährige gedroht hatte, die untreue Frau umzubringen. Ein Freund der Familie zeigte sich bestürzt: "Ich hätte solch ein Ende niemals für möglich gehalten!" Die später Getötete habe ihm einmal gesagt: "Ich habe Angst, der tut sich was an!"

Solch einen Ausgang hatte auch die beste Freundin der Ungarin eher für wahrscheinlich erachtet. Die 36-Jährige habe sogar mit ihrem Mann zu einem Eheberater gehen wollen, damit dieser ihm schonend das Ende der Beziehung klar mache. Sie wisse auch, dass die Freundin nicht immer glücklich war. "Mein Mann kennt nur seine Firma. Abends vor dem Fernseher schläft er ein." Dies seien ihre Worte gewesen.


Wormser Zeitung

Eicher sagt zur Tatnacht aus

Totschlagsprozess wird fortgesetzt

Vom 08.03.2007

EICH Im Totschlagsprozess gegen einen einen Mann aus Eich verhandelte auch gestern das Mainzer Landgericht (wir berichteten). Der Angeklagte sagte zu den Geschehnissen in der Tatnacht aus.
Von

Silvia Dott

"Maria wollte nicht reden. Da habe ich sie am Hals gepackt und nicht mehr losgelassen." Dies solle ein des Totschlags an seiner Ehefrau angeklagter 55-Jähriger einem Psychiater anvertraut haben. Dem erfolgreichen Baustoff-Unternehmer wird vorgeworfen, die 19 Jahre jüngere Ungarin 2006 im Haus am Eicher See vorsätzlich getötete zu haben. Motiv soll die Untreue und die Trennungsabsicht der Frau gewesen sein.

In der gestrigen Verhandlung vor dem Mainzer Schwurgericht erfuhr die Öffentlichkeit zum ersten Mal, was sich aus Sicht des Angeklagten in der Tatnacht abgespielt hat. Der Kaufmann hatte am ersten Verhandlungstag auf Antrag seiner Verteidiger unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen dürfen.

Laut Psychiater der Rheinhessenfachklinik Alzey nahm das Paar das Abendessen ein, bevor es die Hunde ausführte. Hierbei soll es zum Streit gekommen sein, in dessen Ver-lauf der Kaufmann allein heim ging, die Frau erst gegen 22 Uhr zurückkehrte und im Wohn-zimmer fern sah. Nach eigenen Angaben kam der 55-Jährige gegen 0 Uhr dazu, trank Whisky und Kräuterschnaps. Er habe mit der Frau über deren Geliebten in Ungarn und ihre Absicht auszuziehen reden wollen. Die 36-Jährige soll abgeblockt haben. "Ich sprang auf und würgte sie immer weiter, obwohl sie röchelte. Ich werde diese Schreie nie vergessen!", soll er geschildert haben.

Danach habe er sich, mit einer Glasscherbe, später mit einem Messer die Pulsadern aufschneiden wollen. Der Mut verließ ihn jedoch. Die Wunde am linken Arm musste später genäht werden. Der Psychiater sprach von einer Impulstat, bei der die Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sein könne.

Wie ein medizinischer Sach-verständiger errechnete, hatte der Kaufmann zur Tatzeit höchstwahrscheinlich zwischen 2,3 und 2,4 Promille Alkohol im Blut. Ein Wert, der zu den Beobachtungen des Notarztes passt. Dieser beschrieb den Kaufmann als stark alkoholisiert, benommen, zeitlich desorientiert und aggressiv. Auch das spricht für einen möglichen Kontrollverlust.

Im Gerichtssaal verfolgten an allen Verhandlungstagen zahlreiche Nachbarn und Freunde den Prozess. Eine 67-Jährige hatte rund 150 Unterschriften in Eich gesammelt. "Wir kennen den Angeklagten seit Jahren als besonnen, liebenswürdigen, rechtschaffenen Mann. Die Tragödie ist für uns unfassbar", war zu lesen. Der Kaufmann konnte seine Tränen nicht zurückhalten.

"Die Maria war kein Engel", wusste eine enge Freundin des Paares. Die 36-Jährige habe ihren Mann oft in der Öffentlichkeit provoziert und gedemütigt. Von der neuen Liebe seiner Frau habe ihr der 55-Jährige selbst weinend erzählt. Sie wisse auch, dass die Ungarin hin- und hergerissen zwischen dem Freund und ihrem Mann war. Im Juli habe sie das Ehepaar noch Hand in Hand gesehen.


Wormser Zeitung

War Eifersucht das Tatmotiv?

Gutachter sagt im Prozess aus

Vom 15.03.2007

EICH Im Prozess gegen den 55-jährigen Eicher, der gestanden hat, seine Ehefrau erwürgt zu haben, stand gestern das Motiv im Mittelpunkt. War es Eifersucht, oder waren es doch vor allem finanzielle Interessen?


Von

Silvia Dott

"Die Partner waren zu sehr verstrickt und wirkten resigniert. Ich glaubte nicht, dass die Beziehung noch zu retten war", so beschrieb gestern ein Psychotherapeut vor dem Mainzer Schwurgericht den Zustand der Ehe des wegen Totschlags angeklagten Kaufmannes. Der 55-Jährige erwürgte am 13. Juli 2006 seine 19 Jahre jüngere Ehefrau im gemeinsamen Haus in Eich.

Die Frau sei zuerst allein zu ihm gekommen, so der Thera-peut weiter. Sie habe in der Beziehung so wie sie war nicht mehr weiter leben wollen. "Sie hatte einen anderen Mann ge-funden und erfahren, dass eine Liebesbeziehung auch anders möglich sein kann." Wenig später kamen beide Ehepartner. Sehr schnell habe sich herausgestellt, dass sie "weit auseinander" waren.

Die Anwälte der Familie des Opfers stellten zahlreiche Be-weisanträge. Ihrer Ansicht nach liegt das Motiv für die Tötung der Ungarin auch im finanziellen Bereich. So habe der Angeklagte wenige Wochen nach der Tat schon Zivilanwälte mit der Vertretung seiner finanziellen Interessen betraut. Wegen ausgebliebener Pachtzahlungen habe der 55-Jährige "konstruierte Forderungen" gestellt. Die 36-Jährige hatte bei ihrem Mann aus steu-erlichen Gründen eine Tankstelle und einen Imbisswagen gepachtet. "Das Nach-Tatverhalten ist weniger von Reue als von monetären Interessen bestimmt", so einer der Anwälte. Eine Übersetzerin könne ebenfalls bezeugen, dass es dem 55-Jährigen um die Sicherung seines Vermögens gegangen sei. So sei der Mutter der Ungarin im Beisein der Dolmetscherin der Zutritt zu dem Eicher Haus versagt worden. Sogar Schlösser habe man ausgetauscht, so dass die Mutter nicht einmal persönliche Dinge ihrer Tochter abholen konnte.

Weil der Angeklagte nicht rechtzeitig Geld für die Beerdi-gung seiner Frau überwiesen habe, musste die Familie der Getöteten ein Darlehen zur Begleichung der Beerdigungskosten aufnehmen, so die Anwälte weiter. Die Verteidigerin des Kaufmanns informierte gestern darüber, dass eine erste Zahlung von 10000 Euro an die Mutter der 36-Jährigen überwiesen worden sei. Insgesamt soll ein Schmerzensgeld von 25000 Euro gezahlt werden.

Die Nachbarn vom Eicher See haben großes Mitleid mit dem 55-Jährigen, sammelten sogar Unterschriften, um ihn zu unterstützen. Er sei ihnen all die Jahre als rechtschaffen und liebenswürdig bekannt. Die Anwälte der Opferfamilie halten dagegen: Der Kaufmann sei gewaltbereit. Ehemalige Mieter des Mannes könnten dies bezeugen. Die Ungarin habe sogar eine Wahrsagerin namens "Whoopi" aufgesucht. "Vielleicht hat die später Getötete ihr ja anvertraut, dass sie in großer Angst vor ihrem Ehemann lebte."


Wormser Zeitung

Verteidiger fordert fünf Jahre Haft

55-Jähriger Angeklagter im Totschlags-Prozess würde Tat "gerne ungeschehen machen"

Vom 28.03.2007

EICH "Ich würde es gerne ungeschehen machen, wenn ich könnte, ich habe sie geliebt und ich verstehe das Ganze nicht". So lautete das Schlusswort des Angeklagten, eines 55-jährigen Kaufmanns, im Totschlags-Prozess vor dem Mainzer Landgericht.
Von

Anja Baumgart-Pietsch

Er hatte im Juli 2006 seine Frau im gemeinsamen Haus erwürgt.

Am letzten Verhandlungstag hatten vor den Plädoyers der Anwälte noch einmal zwei psychiatrische Fachleute das Wort. Zunächst sagte Dr. Agnes Karp von der Rheinhessen-Fachklinik Alzey aus, die den Angeklagten am Tag nach der Tat befragt hatte. Sie hatte mit ihm noch über den Abend der Tat sprechen können und Einzelheiten erfahren, an die er sich später nicht mehr erinnern konnte. "Irgendwann habe ich ihr den Hals zugedrückt und nicht mehr losgelassen", habe er gesagt.

Anschließend berichtete Prof. Dr. Klaus Foerster über seine Gespräche mit dem Angeklagten, dem er einen "überdurchschnittlichen IQ" bescheinigte. Er habe keinen Befund einer psychischen Erkrankung gehabt, auch keinerlei Einschränkung der "psychischen Basisfunktionen" feststellen können. Der Angeklagte sei ebenfalls nicht als alkoholabhängig zu betrachten, obwohl er zum Tatzeitpunkt stark angetrunken war. "Es muss aber irgendeinen Auslöser gegeben haben, denn es ist unvorstellbar, dass er sich einfach aus dem Nichts heraus auf sie stürzte", sagte der Gutachter. Doch einen "affektiven Ausnahmezustand" könne er nicht mehr nachweisen, lediglich die "über zwei Promille" im Blut hätten zu einer massiven Einschränkung der Steuerungsfähigkeit geführt. Was an diesem Abend nun wirklich der Tötungsgrund war, ist nicht mehr nachzuvollziehen. "Was letztlich die Aggression des Angeklagten in dieser Form entsperrte, das ist der Punkt, den wir nicht wissen", so der Gutachter.

Diese Situation bewies für die Staatsanwältin, dass es einen Tötungsvorsatz gegeben haben könne, die Tat also nicht rein im Affekt begangen wurde. Als strafmaßreduzierende Umstände ließ sie nur die massive Alkoholisierung gelten und forderte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren.

Die Vertreter der Nebenklägerinnen, der Mutter und der Schwester der Getöteten, verzichteten auf eine Strafmaß-Forderung und brachten im Namen ihrer Mandantinnen nur Enttäuschung zum Ausdruck, dass die genauen Tatumstände im Verlauf des Prozesses nicht aufzuklären waren, diese also weiterhin "mit einer offenen Wunde leben müssten". Sie mutmaßten, dass die Erinnerungslücken des Angeklagten möglicherweise Taktik gewesen seien.

Der Verteidiger des Angeklagten wies diesen Vorwurf zurück und verwies darauf, dass sich kein Gewaltpotenzial des Angeklagten ergeben habe, es somit eine "persönlichkeitsfremde" Tat gewesen sei. Außerdem sei er voll geständig und auf jeden Fall wegen der für ihn ungewohnten Alkoholisierung als vermindert schuldfähig zu betrachten. Der Verteidiger forderte, das Strafmaß auf fünf Jahre Freiheitsentzug festzusetzen.


Wormser Zeitung

Erschüttert über die eigene Tat

Eicher wegen Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt

Vom 29.03.2007

EICH Im Prozess gegen einen Kaufmann aus Eich vor dem Mainzer Landgericht ist das Urteil geprochen worden. Danach ist der 55-Jährige des Totschlags an seiner Frau für schuldig befunden.


Von

Anja Baumgart-Pietsch

Für den im Juli des vergangenen Jahres begangenen Totschlag an seiner 19 Jahre jüngeren Ehefrau muss der erfolgreiche Kaufmann sieben Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe verbüßen. In seiner Begründung des Urteils ging der Vorsitzende Richter Hans A. Lorenz noch einmal auf die besonderen Umstände dieser verhängnisvollen Beziehungstat ein. "Es war eine Beziehung, die am Anfang gut funktionierte, dann nur noch funktionierte, und schließlich nicht mehr funktionierte", sagte der Richter. Der im Verlaufe des Prozesses hinzugezogene Therapeut hatte ebenfalls erklärt, dass die Beziehung wohl nicht mehr zu retten gewesen sei (wir haben berichtet).

Seit 1996 bestand die Beziehung, 1999 wurde geheiratet. Im Jahr 2005 hatte die Getötete, wohl aus Enttäuschung über die wenige Zeit, die ihr Mann mit ihr verbrachte, um sich nur noch der Firma zu widmen, ein Verhältnis mit einer Jugendliebe aus ihrem Geburtsland Ungarn begonnen. Diese Beziehung hielt sie vor ihrem Mann aber nicht geheim. Sie hatte sich nach einigen Monaten der Unentschiedenheit dann offenbar doch zur Trennung entschlossen, obwohl ihr Mann noch diverse Versuche zur Rettung der Ehe unternommen hatte. Unter anderem bot er eine luxuriöse Reise nach Dubai an und schlug auch eine paartherapeutische Behandlung vor.

Im Juli kam es schließlich dennoch zur Eskalation, im Verlauf des Tatabends erwürgte der Ehemann im stark angetrunkenen Zustand seine Frau. Die genauen Umstände der Tat ließen sich im Verfahren allerdings nicht aufklären, da der Angeklagte sich auf Erinnerungslücken berief. "Daran zweifelt die Kammer auch nicht", sagte Richter Lorenz, da die Vertreter der Nebenklage diese Erinnerungslücken in Frage gestellt hatten.

Der tatsächliche Tatauslöser blieb damit nicht mehr feststellbar, so dass die Tat nicht als Affekthandlung zu klassifizieren sei. Die Einschätzung "im Affekt gehandelt", hätte strafmildernd für den Angeklagten gewirkt. Wohl aber attestierte das Gericht dem Angeklagten den Zustand verminderter Schuldfähigkeit zur Tatzeit, da er sehr stark alkoholisiert gewesen sei. "Er hat vorsätzlich einen Menschen getötet", urteilte der Mainzer Richter. Als Mord sei dies jedoch nicht zu bewerten, da keine der vom Gesetz festgelegten Begründungen für ein solches Urteil, wie Habgier, Heimtücke oder niedrige Beweggründe angenommen werden könnten. Der Totschlag sei indessen ebenfalls nicht als "minderschwerer Fall" anzusehen.

Die Kammer blieb mit dem verhängten Strafmaß etwas unterhalb der von der Staatsanwaltschaft geforderten neun Jahre, da sie dem Angeklagten sein umfassendes Geständnis, seine sichtliche Erschütterung über die eigene Tat und die Zahlung von Schmerzensgeld an die Angehörigen des Opfers zugute hielt.


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