Engelstrompeten (Brugmansia)

Alles über die Pflege dieser schönen Kübelpflanzen


Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Gattung: Brugmansia (ehemals Datura)
Herkunft: trop. Südafrika, Südamerika

Engelstrompeten sind prachtvolle Kübelpflanzen, die sich für ein wenig Pflege mit reicher Blütenpracht bedanken. Ihre großen, trompetenförmigen und stark durftenden Blüten haben ihnen ihren Namen gegeben. In der Regel sind die Blüten cremefarben bis blassgelb, es gibt aber auch schon Züchtungen in weiß, rosa, leuchtend gelb, orange und rot, sowie zweifarbige Varianten. Durch die Vielfalt ist es sehr schwer, die einzelten Arten zu bestimmen.

 

Standort

Sonnig bis halbschattig, windstill.

Optimal ist ein mittags schattiger Platz, da ansonsten die Verdunstung durch die großen Blätter so groß ist, dass die Pflanze leicht austrocknet, wenn sie nicht ständig Wasser bekommt.

 

Bewässerung

Die Pflanzen benötigen sehr viel Wasser. An sehr heißen Tagen sollte morgens und abends gegossen werden. Wassermangel wird deutlich durch hängende Blätter angezeigt, wenn dann rasch gegossen wird, erholt sie sich schnell wieder. Brugmansien vertragen auch kalkhaltiges Gießwasser. Rotblühende sollten sogar damit gegossen werden.

Düngung

Die Pflanze wächst in Einheitserde, braucht aber zusätzliche Düngung, um den hohen Nährstoffbedarf zu befriedigen. Am besten düngt man einmal pro Woche, Langzeitdünger am Jahresanfang einzuarbeiten ist ebenso empfehlenswert. Ich kombiniere beide Formen der Düngung. In diesem Fall gilt tatsächlich: Viel hilft viel. Ab Mitte August die Düngung langsam einstellen, damit die Zweige ausreifen können.

Vermehrung

Die Vermehrung erfolgt über Stecklinge. Dafür werden Äste mit Blättern, aber ohne Blütenknospen abgeschnitten und in feuchte Erde gesteckt. Die Bewurzelung erfolgt sehr zuverlässig, sofern die Erde ständig feucht gehalten wird. Empfohlen wird die Stecklingszucht im Sommer, ich habe bisher immer den Rückschnitt im Herbst über Winter wurzeln lassen und hatte dabei noch keine Ausfälle. Einige vertreten die Theorie, dass Stecklinge aus der Blühregion (siehe Wuchsform) früher blühen als Stecklinge aus der Wachstumsregion. Diese Beobachtung habe ich noch nicht gemacht.

Die Vermehrung kann auch über Samen erfolgen, auch Sämlinge sollen zuverlässig blühen, allerdings erst ab dem zweiten oder dritten Jahr. Ich habe aber keine eigene Erfahrung, daher kann ich nur weitergeben, was ich mir angelesen habe:

Die Samen der reifen, aufgeplatzten Kapsel sollten zwei Tage in Wasser quellen und danach in feuchte Erde gesteckt werden, so dass sie nicht mehr zu sehen sind. Die Temperatur sollte konstant 20 Grad betragen, also den Topf auf die Heizung oder eine Wärmematte stellen. Gespannte Luft (kleines Gewächshaus) ist von Vorteil. Die Keimdauer beträgt drei bis fünf Wochen. Wenn die Sämlinge groß genug sind, pikiert zu werden, sollten sie etwas tiefer eingesetzt werden, so dass das unterste Blattpaar fast in der Erde ist.

Blüte

Möglich ab Mitte Mai, im Durchschnitt aber erst ab Anfang Juli bis zum Frostbeginn. Wird die Engelstrompete warm überwintert, kann sie auch den ganzen Winter über blühen, man sollte ihr aber eine Pause gönnen. Außerdem sind die Blüten wegen des starken Duftes für innen nicht geeignet. Ein starker Rückschnitt im Herbst verzögert die Blüte im nächsten Jahr. Genauso eine zu dunkle Überwinterung. Solange sich die Pflanze nicht gegabelt hat, wird sie keine Knospen bekommen.

Blüht die Engelstrompete nicht, kann dies mehrere Gründe haben. Oft ist falsche Pflege im Winter schuld (siehe Überwinterung), es gibt aber auch Arten, die z.B. nur bei unter 22 Grad blühen. Einige schaffen spielend zwei oder mehr Meter im Jahr, andere wachsen langsam und können starken Rückschnitt nicht kompensieren. Und Wachstum ist notwendig für die Blütenbildung (siehe Wuchsform).

Steht die Engelstrompete zu trocken, d.h. lässt sie öfter die Blätter hängen, kostet sie das zu viel Kraft und sie stellt vorläufig ihre Blüte auch ein. Bekommt sie nicht genug Dünger, fällt die Blüte auch spärlicher aus oder bleibt aus.

Vorstellbar sind auch schwach blühende Sorten. Engelstrompeten sollten daher immer am besten über Stecklinge blühfreudiger Arten bei Freunden oder Bekannten vermehrt werden, bei unbekannter Herkunft kann man natürlich auf die Nase fallen. Trotzdem ist die Zucht über Samen vielversprechend, das Ergebnis ist nur eben nicht garantiert.

 


Wuchsform

Brugmansien wachsen zuerst senkrecht in die Höhe. Ich habe hier noch nie Seitentriebe beobachten können, außer, man schneidet die Pflanze ab. Dieser Bereich wird Wachstumsregion genannt. In einiger Höhe teilt sich der Zweig das erste mal. An dieser ersten natürlichen Gabelung erscheint in der Achsel normalerweise die erste Knospe. Meist teilen sich die beiden Ende kurz darauf ein zweites mal. Ab der ersten Gabelung beginnt der sogenannte Blühbereich (Blühregion) der Engelstrompete, ab hier sollte jetzt bis zum Jahreende eine Blüte nach der anderen kommen.

Aus der Erde treiben meist bei älteren Pflanzen viele Seitentriebe. Diese können nach Geschmack belassen oder weggeschnitten werden.


Eine Gabelung mit Knospe



Ein asymmetrisches Blatt in der Blühregion.

Im Blühbereich ändert sich auch die Form der Blätter, sie werden asymmetrisch, d.h. die eine Blattseite ist kürzer als die andere. Allerdings ist die Gabelung das sicherere Zeichen für den Blühbereich, die symmetrischen Blätter variieren bisweilen.

Die Pflanze verträgt Rückschnitt problemlos und wächst dadurch buschiger. Aber eine Verzweigung durch Schnitt ist nicht mit einer natürlichen Gabelung gleichzusetzen, Blüten lassen sich durch Schnitt nicht erzwingen.

Brugmansien können, je nach Art, bis zu 5m hoch werden. In ihrer Heimat sind es richtige Bäume. So habe ich in der Dominikanischen Republik schon stattliche Exemplare gesehen. Im Kübel werden sie selten größer als 2m, die meisten erreichen wohl nur 1m bis 1,5m. Pauschal kann man sagen, je größer der Topf, desto größer die Pflanze.



Ein symmetrisches Blatt aus der Wachstumsregion.


Blattform

Die Blätter sind oval, spitz zulaufend, bis zu 40cm lang in verschiedenen Grüntönen. Es gibt auch eine Sorte, die weiße Blattränder hat, vermutlich tauchen auch demnächst die ersten panschierten Blätter auf. Die Blattränder können glatt oder gezackt sein, die Blätter ebenfalls glatt oder samtig, haarig. Die Blätter sind meist größer, je weiter oben sie wachsen. Ich trenne oft die größten ab, damit die Pflanze nicht mehr so windanfällig ist.

Überwintern

Die Pflanze verträgt radikalen Rückschnitt, sie kann also bei Platzmangel fast bis zum Boden zurückgeschnitten werden. Nur verzögert sich dadurch die Blüte im nächsten Jahr. Will man dieses Vermeiden, aber trotzdem die Pflanze zurückschneiden, sollte man nur oberhalb der ersten natürlichen Gabelung schneiden. Empfohlen wird, 30 cm oberhalb der Gabelungen zu belassen. Rechts sieht man ein Beispiel für eine schonend zurückgeschnittene Engelstrompete. So kann sie im dunklen, kühlen Keller überwintern.

Räumt man die Pflanze nach dem Rückschnitt sofort in den kalten Keller, kann es passieren, dass die Schnittfläche nicht aufhört zu "bluten". Um das zu vermeiden, lässt man die Pflanze am besten erst ein paar Tage im Warmen, bis die Schnittflächen vollständig abgetrocknet sind.


Eine optimale Überwinterung ist hell bei 5-10 Grad, zur Not geht es auch dunkel. Steht sie dunkel, verliert sie von alleine ihre Blätter und braucht ebenfalls im nächsten Jahr länger. Dafür ist die Schädlingsanfälligkeit ohne Blätter geringer. Eine Überwinterung hell bei 10-18 Grad ist ebenfalls möglich, wärmer sollte es auf keinen Fall sein, da die Pflanze sonst keine Winterpause hat und weiterwächst. Dabei reicht das Licht im Winter nicht aus und die Triebe vergeilen. Diese müssen dann im Frühjahr zurückgeschnitten werden.

Umtopfen

Allgemein wird empfohlen, die Pflanzen alle ein bis zwei Jahre in größere Töpfe umzusetzen. Wie bei jedem Umtopfen sollten auch hier die äußerem, verfilzten Wurzeln weggeschnitten werden, das fördert den Neuwuchs. Da ich, was das angeht, faul bin, habe ich schon lange nicht mehr umgetopft, die Engelstrompeten scheint es mir nicht wirklich übel zu nehmen.


Tipp: Es sollten schwere Töpfe verwendet werden, da die Engelstrompete durch ihre großen Blätter ein Windfang ist und daher leicht umkippt.

Schädlinge und Krankheiten

Allgemein wird berichtet, dass die Engelstrompete von Blattläusen, Roter Spinne und der Weißen Fliege befallen werden kann, was ich aber noch nicht beobachtet habe. Wenn die Blätter sich gelb verfärben, ist dies in den meisten Fällen auf Nährstoffmangel zurückzuführen. Löcher in den Blättern stammen entweder von Raupen, die man absammeln kann, oder werden von Blattwanzen verursacht.

Diese grünen, flachen Käfer stechen junge Blätter an und saugen sie aus. Diese Verletzungen werden dann, wenn das Blatt wächst, zu den Löchern. Blattwanzen sind sehr scheu und werden daher nur schwer gefunden. Am besten legt man eine weiße Unterlage unter die Pflanze und schüttelt dann die Äste. Die Wanzen lassen sich fallen und können so abgesammelt werden. Die größte Ausbeute hat man in den frühen Morgenstunden, wenn die Tiere noch von der Kälte der Nacht steif sind. Zu der Zeit lässt sich auch am besten mit einem geeigneten Insektizid spritzen.

Das Moasikvirus befällt vor allem B. sanguinea. Typisch ist die fleckige Musterung und das verkrüppelte Wachstum, als hätte eine Raupe dran genagt. Mit guter Pflege können diese Pflanzen weiterleben und gedeihen, sie sollten aber von anderen Engeltrompeten distanziert werden, da Ansteckungsgefahr besteht. Das Virus überträgt sich auch auf andere Solanaceen, wie Tomate und Paprika.

 

Warnung

Alle Teile der Pflanze sind giftig.


Der Inhalt dieser Seite beruht auf meiner eigenen Erfahrung mit Engelstrompeten und dem Wissen, dass ich im Laufe der Jahre vor allem über den Erfahrungsaustausch in news:de.rec.garten zusammengetragen habe (FAQ zu de.rec.garten). Ich danke allen an den Diskussionen beteiligten. Korrekturen und Ergänzungen sind selbstverständlich jederzeit erwünscht, bitte sendet sie per Mail an mich.

Vielen Dank an Dieter und Gaby, die mir Fotos zur Verfügung gestellt haben.



Zurück zur Hauptseite